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Imkern im Rhythmus der Natur

Einfache Empfehlungen von Richard Schneider auf der Basis jahrzehntelanger Beobachtung der Natur.

Richard Schneider, 9961 Hopfgarten in Defereggen, Dorf 27
Mail: schneiders@defnet.at

Was bedeutet Imkern im Rhythmus der Natur?

Die Idee, die notwendigen Arbeiten am Bienenvolk eng an die Entwicklung der Natur anzupassen, wurde bereits seit je her als wichtig und sinnvoll erachtet. Dies ist für das Bienenvolk mit Sicherheit von Vorteil, und so gibt die Natur den Zeitplan für die erforderlichen Arbeiten im Laufe des Jahres vor.

In Gesprächen mit Imkern, vor allem mit Neueinsteigern, sind oft Unsicherheit zu bemerken, wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten notwendigen Eingriff am Bienenvolk ist. Dies lässt sich auch nicht so einfach beantworten. Das für die Entwicklung der Natur so entscheidende Kleinklima oder Biotop ist in einer Region wie Osttirol recht unterschiedlich, so liegt z.B. der Lienzer Talboden auf 600 m und die Täler bis zu 1500 m o.M. am Alpenhauptkamm. In der Entwicklung der Natur kann je nach Witterung ein Unterschied von bis zu drei oder gar vier Wochen beobachtet werden. Was die gesamte Region gemeinsam hat, ist die Vegetation, deren Entwicklung je nach Temperatur unterschiedlich voran-schreitet. Für die Aktivität im Bienenvolk ist nicht der gregorianische Kalender entscheidend, sondern nur der Entwicklungstand in der Natur.

Hierfür sind die sogenannten „Indikator- Pflanzen“ der Wegweiser. Zu diesen zählt als erste Pflanze im Jahr die Salweide(Palmkätzchen), in weiterer Folge der Kirschbaum und Löwenzahn und als Trachtanzeiger der Schwarze Holunder, beziehungsweise seine Blüte. Wie stehen diese Pflanzen beziehungsweise Gehölze nun der Reihe nach zur Entwicklung im Bienenvolk?

 

Die Arbeit an den Völkern beginnt mit der Blüte der Salweide, denn solange die Natur keinen Pollen beziehungsweise zumindest geringe Mengen an Nektar spendet, verharrt das Volk in der Winterruhe, Warteposition. Es werden zwar kleine Brutflächen angelegt, jedoch belasten diese das Volk mehr als sie bringen. Erst mit dem ersten Pollen beginnt das Volk zu „erwachen“, die Königin beginnt mit der Eiablage. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Frühjahrsrevision durchzuführen.

Was ist zu tun: Ich beginne mit der Wabendurchsicht an der Seite der Beute, an der die Bienen weiter entfernt von der Mitte sitzen. Ich entferne ein, zwei oder mehrere Waben, rücke das Volk damit in die Mitte der Beute. Gleichzeitig kontrolliere ich, ob das Futter links und rechts von Bienensitz gelagert ist. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, werden Futterwaben zugehängt, für den Fall dass auch diese aufgebraucht sind, entnehme ich aus zweiräumig überwinterten Völkern Futterwaben.

Bei der Durchsicht des Volkes achte ich auf vorhandene Brut. Ist diese gegeben und das Volk sitzt in der Mitte der Beute mit links und rechts ausreichend Futter, wird das Volk wiederum geschlossen. Bei eventuell ausgefallenen Völkern wird das Flugloch sofort geschlossen und bei nächster Gelegenheit vom Stand entfernt. Es besteht auch im Frühjahr die Gefahr der Räuberei.


Ca. drei Wochen vor der einsetzenden Kirschblüte ist für mich der richtige Zeitpunkt, die Frühjahrsfütterung durchzuführen. Alle Völker, die von ihrer Volkstärke in der Lage sind, erhalten fünf Liter Fertigfutter. Die schwächeren Völker und Ableger werden mit 1-Kilo Gläsern gefüttert. Bis zum Einsetzen der Kirschblüte ist das Futter eingetragen. Die Frühjahrsfütterung muss auf jeden Fall abgeschlossen sein, bevor die Völker aufgesetzt werden, ansonsten besteht die Gefahr, dass Futter und Nektar vermischt werden.  


Mit Beginn der Kirschblüte ist der richtige Zeitpunkt die Völker zu erweitern. Es hat sich als sinnvoll herausgestellt, nur Völker zu erweitern, die zumindest fünf gut bebrütete Waben haben oder wenn ein Volk beginnt „durchzuhängen“. In ein Volk von dieser Stärke können drei bis fünf oder sechs Mittelwände eingehängt werden. Ansonsten ist es sinnvoll, noch einige Tage zu warten, ob sich das Volk entwickelt - wenn nicht, gehören solche Völker aufgelöst. Wenn sie gesund sind, können Ableger gebildet werden. Erfolgt das Erweitern zu spät, ist der erste Schritt für ein „gutes Schwarmjahr“ gelegt. Nach meiner Erfahrung ist es besser, etwas zu großzügig zu erweitern, denn Bienen nutzen ohnedies nur den Platz, den sie wirklich brauchen. Wenn zu spät erweitert wird, wird es den Bienen schnell zu eng in der Beute.


Mit dem Einlegen des Absperrgitters kann die Königin in die untergesetzte Zarge mit zwei ausgebauten Waben, einer Drohnenwabe, sowie zwei Schieden links und rechts gegeben werden. Man erspart sich das Absperrgitter, wenn mit der Bannwabe gearbeitet wird. Allerdings muss dann die Königin gesucht werden. Mit dem Sperren der Königin ist der erste und sehr effiziente Schritt zur Varroa-Reduzierung gesetzt.

Nach der Schwarzholunderblüte nutzen die Bienen noch kleinere Trachtquellen, jedoch diese noch abzuwarten ist gefährlich, denn es wird für eine erfolgreiche Varroa-Behandlung zu spät. Nach der Haupttracht gibt es ca. 14 Tage keine Nektarquelle für die Bienen. Leppertrachten setzen meist Mitte August wiederum ein, Heidekraut ist eine verlässliche Trachtquelle, wenn das Wetter mitspielt.

Die Honigernte sollte zügig geschehen und nach der Entnahme des Honigs sollte noch am selben Abend gefüttert werden. Es geht nun darum, keine Zeit zu verlieren und die Völker unverzüglich mit Ameisensäure oder einem anderen erlaubten Präparaten zu behandeln. Wer die Bannwabe verwendet oder die Königin in der untersten Zarge auf drei Waben verbracht hat, entnimmt nun die Brutwaben, schmilzt diese ein oder lässt die Brut in einen Hochtal weit ab von anderen Bienen schlüpfen. Mit diesen Bienen können Kehrschwärme gebildet werden.

Die Völker werden nun aufgefüttert und die Fluglöcher eng gehalten, um Räuberei vorzubeugen. Nun ist es, wenn erforderlich, die sicherste Zeit im Jahr, um die mehrjährige Königin gegen eine junge Königin zu tauschen. Dies ist gut investierte Zeit und die sicherste Form der Schwarmverhinderung für das kommende Jahr.

 

Jetzt, wenn die Völker brutfrei sind, lässt sich der Befall auf Grund des Abfalls an Milben gut einschätzen. Falls erforderlich, muss die Rest-Entmilbung wiederholt werden, bis der Milbenabfall gegen Null geht.

Erst jetzt können Imker und Bienen die Winterruhe genießen. 

 

Gutes Gelingen wünscht 

Schneider Richard

Kategorie:Neuigkeiten Bezirke Lienz 
Erstellt von:   Bernhard.Schittenkopf   am   22.03.2016


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