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Kurzinformation zu Wildbienen

Aufklärung über die Problematik, bewusster Einkauf und Konsum von Lebensmitteln, sowie verantwortungsvoller Umgang mit Boden, Luft und Wasser gehören in der Gesellschaft als Kulturtechnik verankert, wie das Erlernen von Lesen und Schreiben.

WL Fellner Rosi, ÖIB Jugendreferentin

 

Wir kennen alle die fleißigen Honigbienen, die schon seit Tausenden von Jahren als Nutztiere von uns Menschen gehalten werden. In großen Teilen der Gesellschaft aber ist es unbekannt, dass es neben unseren fleißigen Honigsammlerinnen noch eine große Vielfalt an Wildbienen gibt. In Österreich wurden rund 720 Wildbienenarten nachgewiesen, weltweit sind es rund 20.000.

Wildbienen benehmen sich nicht „wild“ im herkömmlichen Sinn. Der Bienenforscher   Johann Ludwig Christ beschrieb sie erstmals 1791 in seinem Buch als „gleichsam wild und ihrem Schicksal überlassen, o(hne) unsere Aufsicht…leben(d)…“.

Die in Mitteleuropa lebenden Wildbienen sehen sehr unterschiedlich aus und sind an ihre Umgebung optimal angepasst. Ihre Größe variiert von vier Millimetern - die Steppenbiene (Nimiodes minutissimus) - bis hin zu den Hummeln und Holzbienen, deren Königinnen 30 Millimeter Länge aufweisen können. Die meisten Wildbienen leben solitär, also einzeln, manche bilden aber kleine Kolonien und schließen sich zu Gemeinschaften zusammen, um die Nester gemeinsam besser verteidigen zu können.

Fast alle Wildbienenarten leben nur wenige Wochen, in vielen Fällen überwintert nur die Königin. Diese baut oder sucht im zeitigen Frühjahr ein Nest. Sie legt nur wenige Eier. Der Nestbau, das Sammeln von Pollen und Nektar, die Vorratshaltung für den Nachwuchs und die Versorgung der jungen Brut kosten sehr viel Energie. Das Nest wird als Brutraum, Rückzugsort und Schutzraum angelegt. Sehr oft wird dieses mit großem Aufwand gestaltet und versteckt.

Der vielfältige Nestbau macht die Wildbienen zu interessanten Beobachtungsobjekten. Sie nisten je nach Art im Boden, im Moderholz, in Markstängeln, hohlen Stängeln oder in Fraßgängen von Vorbewohnern. Leere Schneckenhäuser, Lehmgänge, Felsritzen oder Holzspalten werden gerne angenommen und sehr aufwändig zu Kinderstuben und Wohnungen adaptiert.

Das Problem der Wildbienen und der Verlust der Arten hängt mit dem Nahrungsverhalten der Wildbienenarten zusammen. Viele, (etwa 50 %), der in Mitteleuropa vorkommenden Wildbienenarten sind auf bestimmte Blüten spezialisiert und sammeln fast ausschließlich den Pollen dieser Pflanzen, oder im besten Fall, den Pollen verwandter Pflanzenarten. Ebenso problematisch wirkt sich der Verlust kleinräumiger Landschaftsformen auf viele Wildbienenarten aus. Extensiv genutzte Landschaften werden immer seltener und das wirkt sich auf die Vielfalt der Arten, sowohl der Pflanzen als auch der Insekten (Wildbienen) aus. Auch die Zerstückelung der Landschaften durch Verbauung wirkt sich negativ auf die Lebensräume der Wildbienen aus. Die Flugdistanz zwischen Nisthabitat und Nahrungsquellen liegt bei den meisten Wildbienenarten zwischen 300 und 1500 m, wobei die längeren Flugstrecken für die Sammlerinnen nur zum Decken der eigenen Energie reichen, aber nicht für die Vorratshaltung für den Nachwuchs. Der Nachwuchs einer einzigen Brutzelle braucht für die Verproviantisierung die enorme Pollenmenge von vielen Dutzend bis mehreren hundert Blüten.

Hier sind wir alle gefordert, wir müssen wieder gute Lebensbedingungen für die Bienen schaffen. Auch die Honigbiene braucht diese Bedingungen. Wildbienen und Honigbienen ergänzen sich in unserer Kulturlandschaft gut, es gibt kein Konkurrenzdenken unter den Bienen.

Wenn wir die Artenvielfalt erhalten wollen und wir verhindern wollen, dass unsere Wildbienen von der Erde verschwinden, müssen wir unbedingt nachhaltige Maßnahmen setzen.  

Das Anlegen von Nisthabitaten in jeder Form, von der Magerwiese über ein Sandarium bis hin zum Bau von Nisthilfen ist genauso wichtig, wie die Verbesserung des Nahrungsangebotes für die Wildbienen. Jede Pflanze, die Pollen und Nektar liefert und jeder Quadratmeter Boden, der nicht „verkultiviert“ wird, hilft.

Aufklärung über die Problematik, bewusster Einkauf und Konsum von Lebensmitteln, sowie verantwortungsvoller Umgang mit Boden, Luft und Wasser gehören in der Gesellschaft als Kulturtechnik verankert, wie das Erlernen von Lesen und Schreiben. Wir sind alle dazu aufgerufen, einen Beitrag zu leisten, wobei kein Engagement zu klein, und kein Beitrag zu groß sein kann.  

Rosi Fellner

Kategorie:Neuigkeiten Referate Lehrwesen Wichtig 
Erstellt von:   Anton.Jestl   am   06.09.2022

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